Besonders anschaulich ist die Situation vor dem Hösel-Center. Wer mit dem Auto vom Parkplatz auf die Heiligenhauser Straße fahren möchte, muss die beiden Fahrspuren, den Gehweg, den Radverkehr und zugleich die gegenüberliegende Ausfahrt des Aldi-Marktes im Blick behalten. Genau in diesem Bereich werden Radfahrende aus Richtung Heiligenhaus derzeit von der Nebenanlage auf die Fahrbahn geführt. Die CDU schlägt vor, diesen Wechsel nach vorne zu verlagern: Er soll bereits vor der Einmündung Am Altenhof stattfinden, sodass Radfahrende beim Passieren der Centerzufahrt schon eindeutig in den Straßenverkehr eingeordnet sind.
„Das Problem ist nicht ein einzelner Verkehrsteilnehmer, sondern die Vielzahl an Blickbeziehungen, die an genau derselben Stelle zusammenkommen“, sagt Michael Droste, erster stellvertretender Bürgermeister und Vorsitzender des Bezirksausschusses Hösel/Eggerscheidt. „Wer aus dem Center herausfährt, muss ohnehin sehr aufmerksam sein. Wenn Radfahrende genau dort zusätzlich ihren Verkehrsraum wechseln, wird eine ohnehin anspruchsvolle Situation unnötig komplizierter. Diesen Vorgang wollen wir räumlich entzerren.“
Wo der neue Übergang genau liegen kann, soll die Verwaltung verkehrsfachlich festlegen. Entscheidend sind eine früh erkennbare Führung, passende Markierungen und Beschilderungen sowie gegebenenfalls kleinere bauliche Anpassungen. Dabei geht es ausdrücklich nicht darum, die bestehende Schwierigkeit lediglich einige Meter zu verschieben. „Der neue Übergang muss selbst sicher und eindeutig sein“, betont Stefan Heins, Vorsitzender der CDU-Fraktion. „Deshalb geben wir bewusst keinen Punkt auf den Zentimeter vor. Die Fachleute sollen die Stelle so wählen, dass Radfahrende gut sichtbar auf die Fahrbahn geführt werden und alle Beteiligten früh verstehen, wie der Verkehr dort verläuft.“ „Auch für Autofahrer, die aus der Straße Am Altenhof in die Heiligenhauser Straße einbiegen wollen, können dadurch gefährliche Situationen durch schnell fahrende Radler entschärft werden“, so SPD-Ratsherr Dr. Willm Rolf Meyer.
Eine zweite Initiative richtet den Blick auf die Bahnhofstraße. An der Einmündung Kohlstraße treffen der Übergang des Radverkehrs in den fließenden Verkehr, Abbiegevorgänge und eine angespannte Parksituation unmittelbar aufeinander. Fahrzeuge, die bis nah an den Einmündungsbereich heran abgestellt werden, können die Sicht verkürzen. Der gemeinsame Antrag sieht deshalb eine durchgehende rote Markierung der Radverkehrsführung bis in den anschließenden Übergangsbereich Richtung Hugo-Henkel-Straße vor. Gleichzeitig sollen die gesetzlich freizuhaltenden Sichtbereiche tatsächlich frei bleiben. Reichen Markierungen allein nicht aus, sollen auch kleinere bauliche oder gestalterische Lösungen geprüft werden.
„An der Kohlstraße reicht es nicht, einfach etwas rote Farbe auf die Straße zu bringen“, sagt Robin Langer, CDU-Ratsherr und Vorsitzender der CDU Hösel/Eggerscheidt. „Eine Markierung hilft nur dann, wenn Autofahrer, Radfahrer und Fußgänger sich auch rechtzeitig sehen können. Deshalb gehören eine klare Führung und freie Sichtachsen für uns zusammen.“
Gerade entlang der Bahnhofstraße spielt außerdem der Schulweg eine wichtige Rolle. „Für viele Schülerinnen und Schüler führt der tägliche Weg genau an diesen Stellen entlang“, erklärt Henry Dietl, sachkundiger Bürger der CDU-Fraktion im Bezirksausschuss Hösel/Eggerscheidt. „Kinder und Jugendliche sollen nicht erst aus Erfahrung wissen müssen, an welcher Einmündung sie besonders vorsichtig sein müssen. Ein guter Schulweg ist so gestaltet, dass man gesehen wird und selbst möglichst früh erkennen kann, was um einen herum passiert.“
An der Preußenstraße liegt das Problem anders. Zwischen der Bahnhofstraße und der parallel verlaufenden Badenstraße führt ein gemeinsamer Geh- und Radweg, der die Preußenstraße quert. Die Querungsfläche soll nach dem gemeinsamen Antrag durchgehend rot markiert und damit für ein- und abbiegende Fahrzeuge früher erkennbar werden. Zusätzlich soll geprüft werden, ob eine geschwindigkeitsdämpfende Gestaltung unmittelbar vor der Querung möglich ist. Weil die Situation an der benachbarten Bayernstraße ähnlich aufgebaut ist, soll die Verwaltung die vorgesehenen Maßnahmen auch dort auf ihre Übertragbarkeit prüfen.
Andrea Kornak, Ratsmitglied von Bündnis 90/Die Grünen, hebt die besondere Straßenführung hervor: „Wer dort abbiegt, muss nicht nur die nächste Fahrbahn wahrnehmen. Zwischen den beiden Straßen queren Fußgänger und Radfahrende. Diese Querung muss optisch so deutlich sein, dass sie nicht erst im letzten Moment auffällt.“
Die bisherigen Vorschläge von CDU und Grünen wurden deshalb in einem gemeinsamen Antrag gebündelt. Dem hat sich inzwischen auch die SPD angeschlossen. Ute Meier, Fraktionsvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen, sieht darin einen sinnvollen gemeinsamen Ansatz: „Die Stellen unterscheiden sich im Detail, aber das Ziel ist dasselbe: Verkehrswege müssen verständlich und Konfliktpunkte früh erkennbar sein. Statt mehrere Verfahren nebeneinander laufen zu lassen, bringen wir die konkreten Lösungen gemeinsam auf den Weg.“
Auch Hans-Günther Linauer, sachkundiger Bürger der SPD, unterstützt die gemeinsame Initiative. „Wer regelmäßig mit dem Fahrrad unterwegs ist, merkt sehr schnell, wie entscheidend eine eindeutige Führung ist“, sagt Linauer. „Es geht hier nicht um einen großen Umbau des Stadtteils. Es geht darum, an bekannten Punkten mit nachvollziehbaren Maßnahmen dafür zu sorgen, dass Verkehrsteilnehmer einander früher sehen und Situationen besser einschätzen können.“
Nicht jede Gefahrenstelle verlangt eine grundlegende Neuplanung, aber bekannte Konflikte sollten dort entschärft werden, wo dies mit konkreten Veränderungen möglich ist. Für die Einmündungsbereiche soll die Verwaltung dem Bezirksausschuss eine Umsetzungsskizze mit den vorgesehenen Markierungen, möglichen baulichen Elementen und einem zeitlichen Horizont vorlegen. Auch für die Radverkehrsführung am Hösel-Center soll die geplante Ausführung vor der Umsetzung vorgestellt werden. So soll aus den Anträgen Schritt für Schritt eine nachvollziehbare Verbesserung an mehreren viel genutzten Stellen in Hösel werden. Für CDU und Grüne gehören beide Anträge deshalb in der Sache zusammen.
