Sehr geehrter Herr Bürgermeister,

wir sehen in Ratingen und der gesamten Region die Situation, dass auf der einen Seite eine erhebliche Leerstandsquote bei Gewerbeflächen und besonders Büroimmobilien besteht und auf der anderen Seite der Wohnungsmarkt angespannt ist und einen erheblichen Mangel an bezahlbarem Wohnraum aufweist.

Der Rat der Stadt Ratingen hat in der Vergangenheit bereits Grundsatzbeschlüsse zur Konversion geeigneter Gewerbeimmobilien in Wohnungen gefasst.

Insoweit besteht hier Handlungsbedarf auf zwei Ebenen:

  1. Bestandaufnahme der Gewerbeflächen sowie Büroflächen und des Leerstandes/ der Unternutzung und dann in einem zweiten Schritte Entwicklung einer Strategie zur künftigen Ausrichtung der Gewerbeflächen sowie Büroflächen und Ertüchtigung der für Gewerbe und Industrie benötigten Flächen, um zukunftsfähig zu bleiben
  2. Entwicklung von Strategien und konkreten Plänen, um nicht mehr nachgefragte und geeignete Büroflächen und -immobilien in Wohnraum umzuwandeln, insbesondere bezahlbaren Wohnraum zur Schaffung von kostengünstigen Wohnungen und Wohnraum für besondere Zielgruppen, wie z.B. Auszubildende, Studenten und Einzelpersonen mit geringem Einkommen. Dabei sollen bestehende Förderprogramme genutzt werden, sofern möglich wie das Programm „Gewerbe zu Wohnen“ des Bundes (https://www.bundesregierung.de/breg-de/aktuelles/gewerbe-zu-wohnen-2419270)

Als geeignete Fläche für einen Start in die Konversion von Gewerbeflächen in Wohnungsbauflächen sehen die antragstellenden Fraktionen von CDU und SPD das Areal entlang der Gothaer Straße, der Broichhofstraße, der Berliner Straße und der Brandenburger Straße.

Neben Leerstand bzw. einer auffallenden Unterbelegung von mehreren Büroimmobilien zeichnet sich das Gebiet durch die im städtischen Besitz befindlichen Gebäude Gothaer Straße 8 – 10 aus, für die aktuell und auf Sicht keine Gewerbenutzung erkennbar ist.

Aus Sicht der antragstellenden Fraktionen bietet sich die Gothaer Straße und Umgebung als Umstrukturierungsstandort zur Schaffung dringend benötigter unterschiedlicher Wohnkapazitäten an:

  • Der Standort ist integriert und liegt in hinreichender Nähe zum Berliner Platz, zu Schulen und Kitas.
  • Der Standort ist groß genug und bietet Raum für die angedachten unterschiedlichen Nutzungszwecke im Kontext Wohnen.
  • Beispiele aus u.a. der Landeshauptstadt Düsseldorf zeigen, wie aus Gewerbe Wohnen entstehen kann- schneller und kostengünstiger als bei einem Neubau.

Daher stellen die Fraktionen von CDU und SPD folgenden Antrag:

  1. Die Verwaltung wird gebeten, eine Bestandaufnahme der Gewerbeflächen und des Leerstandes/ der Unternutzung vorzunehmen und dann in einem zweiten Schritt eine Strategie zur künftigen Ausrichtung der Gewerbeflächen und Ertüchtigung der für Gewerbe und Industrie benötigten Flächen, um zukunftsfähig zu bleiben, zu entwickeln.
  2. Die Verwaltung wird gebeten, die baurechtlichen und städtebaulichen Voraussetzungen zu prüfen (siehe auch § 246e BauGB), damit exemplarisch im Gewerbegebiet Areal entlang der Gothaer Straße, zwischen der Broichhofstraße, der Berliner Straße und der Brandenburger Straße Wohnnutzungen geschaffen werden können. Dabei soll ein besonderer Fokus auf dem städtischen Gebäude Gothaer Straße 8 – 10 liegen, auch mit Blick auf die bautechnischen Voraussetzungen der Umwandlung in ein Wohngebäude (Kubatur, Fassade etc.). Ziel ist es, neben dem städtischen Gebäude weitere Flächen/ Gebäude zu aktivieren zur Umnutzung zu Wohnzwecken mit dem klaren Fokus auf bezahlbarem Wohnraum/ Wohnraum für besonderen Zielgruppen. Dabei soll ein gestuftes und gemischtes Wohnkonzept, das soziale Durchmischung ermöglicht und flexibel auf unterschiedliche Bedarfe reagieren kann, entstehen. Die Ergebnisse sollen in einer Vorlage bis zum vierten Quartal 2026 vorgelegt werden.

Mit dem sog. „Bau-Turbo“ als Sonderregelungen im Planungsrecht soll mehr Bauland mobilisiert werden. So kann künftig auch in Gebieten gebaut werden, deren Bebauungspläne eigentlich andere Nutzungen als Wohnen - etwa Gewerbe - vorsehen (§246e BauGB).

Zudem erweist sich mangelnder Wohnraum auch als nachteilig für Ratinger Unternehmen im Wettbewerb um (Fach)Kräfte und Auszubildende, so dass auch mit der Schaffung von Wohnmöglichkeiten für z.B. Auszubildende der Wirtschaftsstandort Ratingen gestärkt werden könnte.

Mit freundlichen Grüßen

Stefan Heins Christian Wiglow

CDU SPD